Auszug aus der Seehamer Schützen Chronik

Vorgeschichte
Die Herkunft und Entwicklung des Prangerschützenwesens können wir bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Aus alten Kirchlichen Aufzeichnungen geht hervor, dass zu dieser Zeit schon zum „Prangtag“ als bei den Fronleichnamsprozessionen mit „Böllern“ geschossen wurde. Aus dem religiösen Brauchtum ist demnach der Begriff „Prangerschützen“ entstanden.
Kartographische Darstellungen zeigen uns, dass im späten 18. und  anfangs des 19. Jahrhunderts „rund um den Gaisberg“, im Flachgau und im angrenzenden Tennengau zahlreiche „Schützengesellschaften“ gegründet wurden, um diese alten Bräuche zu erhalten und zu pflegen.
Im Verlauf der Zeit wurden die Böller durch Prangerstutzen ersetzt. Den ältesten Prangstutzen kennen wir aus dem Jahre 1693, welcher in der ehemaligen Hammerschmiede und Eisenwerk in Ebenau erzeugt wurde. Von dort kommt vermutlich ein Großteil jener Stutzen, mit welchen die genannten Schützen Gesellschaften ausgerüstet wurden.

Einige der traditionellen Schützengesellschaften rüsteten ihre Mitglieder mit Gewehren aus, treten aber heute genauso als „Prangerschützen- Gesellschaften oder- Kompanie“ auf.
Daraus leiten wir die Unterscheidung: Floig`n Schützen (schießen mit feinem Pulver = Patronen)- und Stutzenschützen sind „Grob- Schützen“.
Daher auch unser Prangerschützen – Gruß: „Grob – Schützen - Heil“!
Seeham wird 1310 und 1342 urkundlich erwähnt, die Ortschaft geht aus einem Kirchenweiler hervor. Seit 1891 ist bekannt, dass auch bei uns in „alten Zeiten“ zu kirchlichen und anderen festlichen Anlässen mit Böllern und Salutkanonen geschossen wurde.
Aus der Gemeinde – Chronik geht hervor, dass in Seeham bis 1925 Matthias Altenberger, wulgo „Seidl in der Seeleiten“ die gemeindeeigenen Böller verwaltet und zu deren Gebrauch berechtigt war.
Dessen Nachfolger war Johann Ebner, heute noch als „Mostwastl“ in Erinnerung. Der Mostwastl war ehemaliger k.u.k – Artillerist, sein ganzer Stolz waren seine 32 Böller und eine Salutkanone, womit er natürlich bestens umgehen konnte. Bei besonderes heiklen Einsätzen musste  ihm sogar seine Frau, Wälli assistieren.
Johann Ebner verstarb am 28 Jan. 1948 in Seeham.

Franz Xaver Klaushofer
Wurde am 29. Februar 1888 in Faistenau geboren. In seiner Heimatgemeinde hatte zu dieser Zeit das Prangerschützenwesen schon eine alte Tradition. Wie er selbst in seinem Lebenslauf berichtet, gab es in seinem Elternhaus kein „losgehendes Eisen“, aber das Interesse dafür war schon in jungen Jahren erkennbar. Bereits als junger Priesterstudent übte er sich im Umgang mit dem Stutzen. Als er nach seiner Priesterweihe nach Hause kam, wurde er mit eineigen kräftigen Stutzen- Schüssen begrüßt.
Den ersten Prangerstutzen kaufte F. Xaver Klaushofer im Jahr 1916 von einem Vetter. Währen seiner beruflichen Laufbahn als Priester kam Klaushofer in zahlreiche Pfarreinen unserer Erzdiözese und mancherorts staunt man, dass es einen „geistlichen Prangerschützen“ gibt.
1939 kam F.X. Klaushofer als Pfarrer nach Seeham. Bei seinem Einzug in den Pfarrhof brachte er 3 Prangerstutzen mit. Währen der Kriegsjahre konnte er mit seinen „losgehenden Eisen“ freilich nicht viel anfangen.
In seinem Bestreben, dass Prangerschützenwesen auch in unserer Gegend zu beleben, begann Pfarrer Klaushofer selbst Prangstutzen zusammen u bauen. Am Dachboden des Pfarrhofes wurde eine „Werkstätte“ eingerichtet und mit bescheidensten wurde Stutzen angefertigt.
Wenn der Herr Pfarrer „technische Hilfe“ brauchte, stand Josef Oswald zur Verfügung. Auch Alois Hinrainer, ein pensionierter Eisenbahner konnte als gelernter Schlosser bei Eisen- und Stahlbearbeitung gute Hilfe leisten.

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Die Urschützen.
Im Frühjahr 1948 gab es den ersten „Schieß- Unterricht“ in Seeham. In der „Franzlbauer- Schottergrube“ zeigte Pfarrer Klaushofer den ersten „Prangstutzen- Schützen“, wie man mit einem Stutzen „umgeht“.
Die Teilnehmer an diesem ersten Schießuntericht sind in unserer Chronik als „Urschützen“ vermerkt:
Josef Oswald
Josef Wallner, (Franzlbauer)
Johan Mangelberger, (Hauslbauer)
Andreas Rehl.
In den folgenden Jahren musste Pfarrer Klaushofer noch viele Schießunterrichte abhalten, immer mehr „Interessierte“ wollten bei ihm das „Stutzenschießen“ lernen. Auch in den Nachbarsgemeinden wurde man aufmerksam, sodass auch bald Berndorfer und Obertrumer dazu kamen.
F.X. Klaushofer wurde bekannt, dass er als Pfarrer die kirchlichen Feste sehr feierlich gestaltete. Bei der Fronleichnamsprozession marschierten „seine Schützen“ mit und schossen bei den Evangelien. Auch die Auferstehungsfeier in Seeham waren bekannt als „nicht zulang, aber feierlich“.
Wenn dann zu solchen Anlässen der Herr Pfarrer mit kräftiger Stimme zum „Te Deum“ anhob, da mussten schon einige „schwere Schüsse“ von den Prangerstutzen zu hören sein.

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Die Vereinsgründung
Die Aufnahme entstand 1963 und gilt als „Gründungsfoto“ der Seehamer Prangerschützen.
Es zeigt Pfarrer Klaushofer im Kreise seiner Schützen, mit den selbst gebauten Prangstutzen.
Frau Anna Seidler hat für „die Pfarrerschützen“ 12 neue Hüte gespendet, auch Anlass für ein „Gruppenfoto“.
Am Prangtag 1963 übergab Pfarrer Klaushofer 7 seiner „14 Kinder (Prangerstutzen)“ an seine Schützen mit folgenden Auftrag: Die Stutzen sind zur freien Verfügung, sollen aber auf jeden Fall in Seeham bleiben. Pfarrer Klaushofer hat seinen Schützen auch schon die althergebrachten „Bräuche“ vertraut gemacht, so zum Beispiel: Prangtag, Auferstehung, Raunachtschießen und Hochzeitschießen.
Josef Oswald, bereits erwähnt als „Urschütze“ hatte mittlerweile selbst mehrere Stutzen angefertigt und weiterverkauft, sodass bald eine beachtliche Anzahl stolzer Besitzer eines  Prangstutzens zu bemerken war. Folglich wird Natürlich nun die Idee, einen eigenen Verein zugründen, immer ernsthafter ins Auge gefasst.
Auch Pfarrer Klaushofer war nicht abgeneigt von dem Vorhaben, so wurde dann im Frühjahr 1964, der folgende Prangtag als Termin für die Gründungsversammlung „ausgemacht“.
Die erste „Ausrückung“ hatten die Seehamer Prangerschützen aber schon kurz vor ihrer eigentlichen Gründung.
Am 7. Mai 1964 feierten die Prangerschützen in Berndorf ihr Gründungsfest mit Fahnenweihe. Eine Abordnung mit 16 Schützen aus Seeham mit Pfarrer Klaushofer meldete sich am Ortseingang von Berndorf mit einem kräftigen Lauffeuer an. Die Musikkappelle Seeham begleitete die Abordnung zur Begrüßung und beim Festzug.
Die Wurzeln der Berndorfer Prangerschützen sind in Seeham zu finden, die Vereinsgründer haben dereinst am Schießunterricht bei Pfarrer Klaushofer teilgenommen.

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oben v.l.n.r.:
Johann Pötzelsberger, Franz Kiierlinger, Alois Pötzelsberger, Herbert Haberl
mitte v.l.n.r:
Josef Wallner, Josef Zillner, Pfarrer F.X. Klaushofer, Hermann Straßgschwandtner, Josef Oswald.
Unten v.l.n.r:
Johann Rettenegger, Ernst Stallegger, Rudolf Waltran, Otto Haberl, Walter Edelmann


Die Gründungs – Versammlung
Am 31.Mai 1964 treffen sich 22 „Interessenten“ mit Pfarrer F.X. Klaushofer zur Gründungsversammlung der „Seehamer Prangerschützen“ im Gasthaus Leobacher.
Pfarrer Klaushofer und alle Anwesenden sprechen sich für die Gründung eines Schützenvereins aus, es wird mit der Wahl eines Schützenvereins aus, es wird mit der Wahl eines Vereinsvorstand begonnen. Durch Geheime Wahl wird Alois Pötzelsberger zum Schützenmeister und Vereinsobmann gewählt. Zu dessen Stellvertreter wird Johann Rettenegger bestellt. Die Funktion des Kassiers wird Adolf Haberl und die des Schriftführers Rudolf Waltran zugeteilt.
Weiteres werden 3 Beiräte gewählt: Josef Wallner, Johann Pötzelsberger und Josef Zillner.
Der Gesamte Vereinsausschuss wird für 3 Jahre gewählt. Der Mitgliedsbeitrag wird mit 50.- Schilling festgesetzt. Der Vereinsausschuss wird beauftragt, die vereinspolizeiliche Anmeldung durchzuführen, hierfür müssen Vereinsstatuten ausgearbeitet werden.
Es wird ein „Proponentenkomitee“ gebildet, dem auch Pfarrer Klaushofer angehört.
Im Verlaufe der Versammlung wird auch schon rege diskutiert über eine einheitliche Schützetracht und die Anschaffung einer Vereinsfahne.
In Anbetracht der grosße Vorhaben und des Eifers seiner Schützen lautet das Schlusswort Pfarrer Klaushfers: „Leut`,halt`s zamm und habt`s Schneid“!

Am 2.Nov. 1964 wird eine Ausschusssitzung abgehalten, wobei folgende neue Mitglieder aufgenommen werden: Herbert Haberl, Walter Kaiser, Horst Woschitz und Josef Mangelberger.
Am 8.Dezember 1964 nimmt eine Abordnung der Seehammer Prangerschützen am Schützen- Jahrtag der Salzburger Schützen in Altenmarkt teil.
Erster Kontakt mit dem „Landesverband“ und einige Schützenkompanien.

Die Gründungsmitglieder:


Pfarrer F.X. Klaushofer
Alois Pötzelsberger
Josef Wallner
Johann Rettenegger
Adolf Haberl
Josef Zillner
Johann Pötzelberger
Rudolf Waltran
Franz Kierlinger
Wilhelm Schwaighofer
Otto Haberl
Stefan Leitner
Wilhelm Leitner
Otto Stockhammer
Hermann Straßgschwandtner
Hubert Stockinger
Ernst Eder
Johann Zach
Stefan Gradl
Josef Helm jr.
Walter Edelmann
Friedrich Pötzelsberger
Alexander Pal